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Erwartungen

harmsen

Ich möchte einmal ein paar Zeilen über das Thema Druck im Profi-Basketball schreiben.
Gerade jetzt ist diese Diskussion wieder aufgekommen. Doch wird der Tod Robert Enkes etwas an den bestehenden Mechanismen im Leistungssport aendern?
Ich bezweifle das sehr!
Sportler und Trainer stehen ähnlich wie Schauspieler, Musiker und Politiker in der Öffentlichkeit. Mindestens jedes Wochenende präsentieren sie sich einem Publikum und den Medien. Meistens wird dann an Hand des Resultats die Leistung beurteilt.
Gewinnt eine Mannschaft nach einem schlechten Spiel, dann ist meist trotzdem alles in Ordnung. Verliert man, dann werden Dinge in Frage gestellt und jeder diskutiert gern mit, woran es lag.
Das ist der große Unterschied zu Künstlern.
Ein Musikorchester probt auch täglich zweimal, wird dann aber nur an der Qualitaet der Aufführung gemessen.
Im Sport kann der Zuschauer nicht bewerten wie hart eine Mannschaft die Woche Über gearbeitet hat. Man muesste also das Wort Erfolg anders definieren?
Erfolg kann und darf nicht nur an der Anzahl der Siege orientiert sein. Aber leider ist das meistens der Fall. Und der Druck auf die Spieler und Trainer erfolgt nun mal fast immer von aussen.
Die Frage ist: Woran misst man Erfolg im Sport?
Mit Sicherheit an den Zielen, die man sich vorher gesetzt hat und an den Erwartungen des Umfeldes.
Aber woran orientieren sich diese Erwartungen?
Das ist eine sehr entscheidene Frage. Meiner Analyse nach sind drei Punkte ausschlaggebend:

1. Das Budget
2. Die vorherige Saison
3. Der Verlauf der aktuellen Saison

Mannschaften wie ALBA Berlin haben den Anspruch auf Grund des Budgets deutscher Meister zu werden. Auch andere Teams wie Bamberg, Oldenburg, Frankfurt, Quakenbrueck haben dieses Ziel, zumindest aber wollen sie in die Play-offs.
Viele Mannschaften orientieren sich an der letzten Saison. Wenn man ein schlechtes Jahr wie z.B. Bremerhaven hatte, dann sind die Erwartungen sehr niedrig: Man will nichts mit dem Abstieg zu tun haben.
Spielte ein Team ueberraschend gut, dann sind die Ansprüche automatisch hoeher.
Aber woran sollte man den Erfolg einer Mannschaft objektiv messen?
Ich denke, dass man sich nur am vorhandenen Budget orientieren darf.
Letztendlich ist die Qualität der Spieler immer der entscheidene Faktor.
Die deutsche Liga zeigt allerdings, dass auch Mannschaften mit wenig Geld die sogenannten "Großen" an einem guten Tag schlagen können.
Das hat mit Sicherheit mit unserer Ausländerbeschränkung zu tun. Da in der BBL acht "Nicht-Deutsche" pro Team erlaubt sind, können die kleinen Clubs durch intensives Scouting gute ausländische Spieler für wenig Geld finden. Aber wie viel Sinn macht das?
Naja, dies ist ein anderes Thema, dem ich mich beim nächsten Mal widmen will.
Nur letztendlich sollte sich jeder Zuschauer, Sponsor, Medienvetreter und andere Außenstehende bewusst machen, dass sie es sind, die den Druck erzeugen. Und damit umzugehen ist nicht immer einfach. Sportler sind auch nur Menschen, die wie jeder normale andere Arbeitnehmer auch Fehler machen und gute oder schlechte Tage haben koennen.

Tags: harmsen, druck, enke, mbc, erfolg, misserfolg

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Comments

(10)
 
unknown
02.02.10 - 0:43 Uhr
sorry, dass ihr das doppelt lesen müsst, aber beim ersten mal hat´s nicht geklappt und dann doch! Doppelt hält besser und so...
 
die Großen
02.02.10 - 0:39 Uhr
In der Wissenschaft redet man von einem Verantwortungsdreieck, das heißt im Bereich der Medien bilden die Würde der Person, die Wahrheit der Nachricht und der öffentliche Auftrag ein Beziehungsdreieck. Das bedeutet jeder Medienakteur-Adressat-Konsument hat eine Verantwortung gegenüber der Würde der Person. Beim Sport kann das heißen, dass Fans, Journalisten, Moderatoren und so weiter einen verantwortungsvollen Umgang mit ihren Nachrichten/Aussagen pflegen müssen. Gerade das Internet durch seine Anonymität verleitet zu unüberlegten, verletzenden Aussagen.
Wir haben es also selbst in der Hand. Auch in Bezug auf den Umgang mit Druck. Man muss sich veranschaulichen wo die Nachricht/Aussage/Druck herkommt. Was steht dahinter?
Es sind immer verschiedene subjektive individuelle Motivationen/Erwartungen und deshalb auch Interpretationen und Reaktionen. Ein Coach sieht anders als ein Spieler, als ein Manager, als ein Bäcker, als ein Lehrer, als ein Sponsor...
Du selbst musst den Druck für dich objektivieren. Ich sage, nicht du allein!!!
Ein weiterer Garant für schädlichen Leistungsdruck/Überforderung ist Transparenz und Aufklärung, sowie die Schaffung gemeinsamer Ziele, das sind eigentlich Unternehmens-und Organisationstheoretische Grundlagen, die auch ein Basketballverein umsetzen muss. so könnte es sein, dass zu Beginn der Saison eine klare Zielaushandlung mit zumindest Manager, Sponsoren und vor allem dem Coach evtl. auch Spielern statt findet, auf die man sich immer wieder berufen kann.
Bei aller Wirtschaftlichkeit und Leistungsorientierung geht es hier vor allem um menschliches Kapital und das fühlt eben und dem muss Rechnung getragen werden.
Genau das kann eine Team-Unternehmens-Vereinsphilosophie berücksichtigen und so alle Rezipienten zum teil aufklären.
Zuletzt noch schnell: Ich denke nicht, dass allein das Budget ein Parameter für Leistungserwartungen sein kann. Vielmehr würde ich auf das Gesamtkonzept setzten und mehr Faktoren einbinden. Aber das sprengt hier den Rahmen!
Viel Erfolg und Selbstbewusstsein an den Coach
!
 
academiac
02.02.10 - 0:07 Uhr
Also hier ein paar Sachen aus der Wissenschaft:
1. Ganz wichtig ist, dass es verschiedene Wahrnehmungen gibt, je nachdem aus welcher Motivation/Erwartung man ein Spiel sieht, wobei der Soziokulturelle Backround nicht zu unterschätzen ist, dass heißt jeder hat eine mehr oder weniger determinierte Wahrnehmung. Ein Coach sieht ein Spiel anders, als ein Spieler, als ein Journalist,als ein Lehrer, als ein Bäcker, als ein Manager und so weiter.
Die Rezeptionssituation ist ebenfalls ein entscheidender Faktor. Wir sehen immer nur Ausschnitte, der Eine redet während dem Spiel, der Andere steht in der letzten Reihe, der Nächste isst etwas und daraufhin gibt es verschiedene Interpretationen und Reaktionen.
2.Unsere Interpretation eines Spiels zum Beispiel hängt dann wieder ganz entscheidend von unseren Zielen/Motivationen/Erwartungen ab. Möchte ich eine Auflage steigern, will ich als Topmanager aufsteigen, will ich einen Sieg meines Teams sehen, weil ich sonst er wenig Siegreiches in meinem Leben wahrnehmen kann.
3. Für Medien wie TV, Zeitung, Internet etc. besteht ein ethischer Auftrag, da sie Bestandteil eines Verantwortungsdreiecks sind, welches aus Würde der Person, öffentlichem Auftrag und Wahrheit der Nachricht besteht. Da nun in der Realität Subjekte handeln werden auch diese drei Bereiche individuell der Motivation nach ausgelegt. Jedoch ist der Auftrag der Medienethik und damit allen Medienteilnehmern und Initiatoren, sowie Akteuren im besten Sinn des Dreiecks zu handeln.
4. Die Konsequenzen sind klar. Jeder muss bei sich anfangen. Fans dürfen keine Urteile fällen oder Kommentare schreiben, die die Würde der Person verletzten, ebenso wie Redakteure, Journalisten, TV-Mitarbeiter, Manager und so weiter.
5. Druck im Leistungssport ist nicht Sportimmanent.Es ist wohl die Nähe, die es so schwierig macht. Jeder ist da, denkt er sieht das Gleiche ist nah dran und urteilt und erreicht die Akteure fast unmittelbar. Das heißt die Informationsstrecke kann sehr kurz sein.
Jedoch ist jeder für Druck und Umgang mit Druck auch Eigenverantwortlich. Wichtig ist zu differenzieren von wem Aussagen gemacht werden Wann und Wie.
Allgemein würde ich die Höhe/Art der Erwartung nicht unmittelbar an das Budget knüpfen. Vielleicht kann es helfen vor einer Saison mit dem gesamten Stab ein gemeinsame(s) Ziel(e) zu setzen. Und auch Vertreter der Fans einbeziehen. Das wichtigste ist die Transparenz und vor allem Einigkeit.

Okay jetzt ist Schluss, auf das jeder das liest was er lesen will!
01.02.10 - 13:08 Uhr
Wenngleich der Zuschauer nicht bewerten kann, wie hart ein Team die Woche über gearbeitet hat, resultierend auf 30.01.´10 steht fest,
dass mit Taktik und Zielstrebigkeit jede Erwartung auch übertroffen werden kann. Insbesondere dann, wenn es sich um erschwerte Faktoren handelt. Weiter so!

Lässt sich Feedback auch hier realisieren, oder einzig über A.t.T.?

22.01.10 - 18:43 Uhr
Natürlich möchte ich Freundin und Lieblingsverein nicht auf eine Ebene stellen.
Natürlich gebe ich auch negatives Feedback, wenn mir Dinge überhaupt nicht passen. Aber mein Kommen (und das derer die ich als Fans sehe) ist trotzdem nicht von der mir gebotenen Leistung abhängig und deswegen nicht unter klassischen Marktgesichtspunkten zu bewerten.
Fan sein ist keine Entscheidung der Ratio sondern eine emotionale. Und genau dort sollte der Vergleich zwischen Freundin (hoffentlich emotionale Entscheidung und ihre Konsequenzen) und Prostituierte (rationale Entscheidung und ihre Konsequenzen) angebracht werden.
 
René
14.01.10 - 0:04 Uhr
@derDieb:
Hmmm. Leider kann ich Dir nicht zustimmen, ja nichtmal folgen. Insbesondere das Freundin/Prostituiertenbeispiel ist mir nen Rätsel. Vielmehr halte ich es für bedenklich, wenn man die Beziehung zu (s)einem Verein mit der zu seiner Freundin auf eine Stufe zu stellt.

Der Einfluss des Fans auf den Verein scheint mir doch sehr sehr limitiert. Den von Dir angeführten Aktiven Teil sehe ich sehr überschätzt. Vielleicht ist das jedoch auch von Verein zu Verein unterschiedlich. Ich als ALBAMitglied, ALBAFanclubmitglied und ALBADauerkarteninhaber habe einen Einfluß bzw. aktiven Anteil von genau Null.

Dessen ungeachtet sehe ich keinen Wierspruch zu meiner Positin, den Fan/Zuschauer bzw. die Sicht der Fans bzw. Zuschauer mit in die Erfolgsbeurteilung einzubeziehen. Genau das würde je den von mir in Abrede gestellten Einfluß fordern und aufwerten.
13.01.10 - 11:02 Uhr
@René: Als Fan wehre ich mich dagegen "Kunde" meines Vereins zu sein. Als Fan bin ich nicht auf die Leistung meines Teams angewiesen um zu entscheiden ob ich wieder komme oder nicht. Als Fan bin ich kein passiver Konsument, sondern sehe mich als aktiven Teil des Spiels, auch wenn ich dafür Eintritt bezahle.
Warum ich auf dieser Wortklauberei beharre? Weil Kunden und Fans für mich die beiden großen unterschiedlichen Gruppen sind in welche ich ein Basketball- (bzw. Sport-) Publikum unterteile.
Einen Fan als Kunden zu betrachten ist Nahe dran seine Freundin als Prostituierte zu titulieren. ;)
 
René
07.01.10 - 0:41 Uhr
Interessanter Beitrag zu dem ich 2 Punkte anführen möchte, die vielleicht eine ökonomischere Sicht ergänzt.

1. Als nicht aktiver Basketballer und umso mehr Fan, hätte ich gerne die Perspektive Fan/Zuschauer/Vereinsmitglieder (Fan) in die Betrachtung mit eingeführt. Erfolg sollte m.E. auch berücksichtigen, wie das Verhältnis zu den Fans ist. Ist die Halle gefüllt? Wie identifiziert sich ein Fan mit dem Verein oder einzelnen Spielern oder gar vielleicht mit einem Sponsor/Namensgeber? Wenn in Quakenbrück jedes Spiel die Halle ausverkauft ist, sagt das -zumindest für mich- was über Erfolg und ist eine messbare Größe. Letztlich ist es m.E. so, dass dieser Sport, der für einige Spieler, Trainer und das Umfeld die finanzielle Lebensgrundlage darstellt, nur möglich ist, weil sich Menschen und damit Medien dafür interessieren und Geld auf den Tisch legen. Ich als Fan bin der Kunde. Der Verein verkauft das Produkt Basketball und muss sich, um am Markt bestehen zu können, den Kundenbedürfnissen anpassen. Der Erfolg muss sich meines Erachten auch hieran messen!

2. Du schreibst: "Sportler sind auch nur Menschen". Absolut! Und dennoch gehts dem durchschnittlichen Mitarbeiter im Vertrieb nicht anders. Es zählen die Abschlüsse (=Siege). Was ich sagen will: der Sportler ist hier nicht besser oder schlechter dran als bestimmte andere Berufsgruppen auch.

GX

René
06.01.10 - 22:42 Uhr
Das würde ich gerne hier der griechischen Organisation vorlesen!
06.01.10 - 21:59 Uhr
Allen voran möchte ich die Gelegenheit nicht versäumen für 2010 Gesundheit, Glück und Schaffenskraft zu übermitteln. Des weiteren ist die Thematik welche den Leistungsdruck im Profisport darstellt eine gute Wahl, da dies leider noch immer viel zu selten zur Sprache gebracht wird. Im Anbetracht zu bestehenden Mechanismen gerät die Sozialstruktur erst dann in Aufruhr, wenn es bereits zu spät ist. Masseinheiten sportlicher Erfolge wird in physischen Dimensionen leider immer mittels Kapital gemessen. Die Basis praktikabler Ziele beweist allerdings, dass es auch anders geht. Passende Antwort hierfür erlangt man, wenn man jegliche Aufmerksamkeit auf das Team des MBC richtet. Ein Blick auf die Tabelle lässt nicht erahnen, dass es sich hierbei um einen Aufsteiger handelt. Unter Berücksichtigung von Motivtendenz und Leistungsorientierung ist mit Unterstützung des Umfeldes einiges möglich. Niederlagen steuern Neuanfänge, insbesondere dann, wenn man sie mit Ehre trägt. In diesem Zusammenhang sollte man dem jüngsten Coach der Liga mit Respekt begegnen...

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