LOG IN

Log in

(e.g. yourname@mail.com) Forgot password?
IDENTIFY YOUR NEEDS
 

Trainer und Journalist

DSF

Nach langer Pause bearbeite ich endlich wieder meine Tastatur, um meinen zweiten Eintrag zu schreiben.
Marko hat mich gebeten, über meine Erfahrungen als Fernsehkommentator zu berichten und wie sich man sich im Aufgaben- und Spannungsfeld Journalist – Trainer/Experte bewegt.
Heute ist der perfekte Tag, um mir darüber Gedanken zu machen. Denn ich sitze im Zug, habe also Zeit, und befinde mich genau zwischen zwei Spielen. Gestern habe ich für sportdigital den Euroleague-Klassiker Maccabi Tel Aviv – Real Madrid kommentiert, und morgen bin ich für das DSF im Artland. Dort begleite ich an der Seite von Michael Körner die Begegnung Quakenbrück gegen Braunschweig als Co-Kommentator und Experte.
Bevor ich die Unterschiede der beiden Aufgaben erläutere, möchte ich mich einem grundsätzlichen Problem widmen. Weil ich so viele Jahre mitten im Geschehen stand, kenne ich extrem viele Menschen in der Basketball-Szene.
Diese Nähe und die daraus resultierende Kenntnis der Stärken und Schwächen dieser Personen ist eine Voraussetzung, um fachlich kompetent zu kommentieren und den Experten-Status einnehmen zu können. Auf der anderen Seite können Kritiker diesen Umstand nutzen, um meine Neutralität in Frage zu stellen. Gestern zum Beispiel stand mit Chuck Eidson einer meiner Ex-Spieler für Maccabi auf dem Parkett, und mein Freund Ettore Messina coachte für Real. Morgen finde ich die gleiche Konstellation mit Heiko Schaffartzik und Thorsten Leibenath vor.
Obwohl Chuck gestern sehr gut gespielt hat, war ich bemüht, ihn nicht überschwänglich zu loben. Mit Ettore bin ich am Nachhinein betrachtet sogar zu kritisch umgegangen. Letztes Jahr hat einmal ein Redakteur zu mir gesagt, ich solle nicht so distanziert über meinen Bruder sprechen. Genau hier liegt die Gefahr: Manchmal geht der Versuch, Neutralität zu wahren, in die falsche Richtung. Dabei ist es gar nicht meine Aufgabe, neutral zu sein. Der Begriff „Kommentar“ beinhaltet die Meinungsäußerung. Ich soll nicht nur beschreiben, sondern auch bewerten. Es ist aber wichtig, diese Bewertungen anhand der gezeigten Leistungen vorzunehmen. Letztendlich ist dieses Problem systemimmanent und betrifft alle Kommentatoren und Experten.
So, jetzt zum Unterschied der beiden Rollen. Bei sportdigital sehe ich mich als Journalist und Trainer mit dem Schwerpunkt Journalist. Beim DSF ist es genau umgekehrt. Für sportdigital bereite ich mich sehr ausführlich vor, denn ich muss als Kommentator auch alle Fakten parat haben: wo hat der Spieler vorher gespielt, welche Erfolge hat er errungen? Beim DSF ist das Aufgabe meines Partners, und ich bin in erster Linie für die Analyse zuständig. Ich muss erklären, warum etwas passiert und stellenweise Hintergründe nennen. Das darf aber nicht dazu führen, dass ich zu sehr in Fachsprache verfalle und versuche, jedes Detail aufzulösen und zu erklären. Ich bin in beiden Rollen, wenn auch mit unterschiedlicher Gewichtung, ein Stück weit Trainer. Aber ich kommentiere nicht für Trainerkollegen, sondern für die Zuschauer.

Tags: stefan, koch, trainer, journalist, dsf, sportdigital, basketball

Bookmark and Share

Comments

(2)
 
11.02.10 - 14:04 Uhr
Frage: Was ist eigentlich aus dem guten alten "einfach nur das Spiel kommentieren" geworden?
Manchmal kommt es mir so vor, dass ich zwar die Lebensgeschichte jedes Einzelnen kenne, aber der Buzzer Beater erst 5 min nach Abpfiff gefeiert wird, weil man ja eben noch unbedingt klären musste, was es zu dem Spieler X aus der Saison Y, der längst nicht mehr bei dem Verein spielt, aber in seiner letzten Saison eine ganz ähnlich Situation fabriziert hat, wie zu Beginn des vierten Viertels und im Vergleich zu Spieler Z der gegnerischen Mannschaft, der leider beim heutigen Spiel verletzt pausieren muss, weil er sich nen dreifach-doppel-irgendwas-bruch mit marginaler Abschürfung an Knochen a bis z zugezogen hat, zu sagen gibt. ?!?!?!?!

Ich bin ja bekennender Buschmann-gib-uns-noch-mehr-Metaphern-die-keiner-versteht-Fan, aber hin und wieder würde ich es doch sehr begrüßen, wenn es mehr um das sportliche und weniger um die neue Trikotfarbe gehen würde.

Gibt es da Vorgaben an die Kommentatoren wie oft sie welchen Sponsor erwähnen sollten, wie oft und wieviel sie auf andere Situationen etc verweisen müssen? Das würde mich wirklich mal interessieren.
 
René
09.02.10 - 16:06 Uhr
Das "Dilemma" ist nachvollziehbar.
Als Zuschauer sowohl auf DSF als auch auf Sportdigital bin ich sehr zufrieden, wenngleich ich die Rolle Sportdigital besser finde.
Natürlich habe ich auch schon mal gedacht "Äh das ist doch sein Bruder...."
Mir ist mehr Expertentum mit Backgroundinfos und mehr persönliche Sicht lieber als blabla, dieses aber neutral.

Add a Comment to this Update

This is a captcha-picture. It is used to prevent mass-access by robots. (see: www.captcha.net)
Captcha neu laden
Copyright © 2009 efactdesign GmbH Media Concept. Alle Rechte vorbehalten.   |   Terms of Use

efactdesign | Media Concept GmbH | Schildhornstrasse 86 | 12163 Berlin | Germany | Telefon: +49 30 497 865 45 | Fax: +49 30 497 865 50 | Email: info@efactdesign.de