Meinen ersten Beitrag möchte ich den Fans des 1. FC Union Berlin widmen. Ich denke, es gibt in Deutschland keinen anderen Verein bei dem die Fans eine solche Loyalität an den Tag legen wie hier bei Union Berlin. Beispiel „Alte Försterei“: Es gibt ja viele Fans, die ihr Heimstadion lieben. Die auch gegen noch so unterklassige Gegner zu jedem Spiel kommen um 90 Minuten lang, stehend und manchmal bei strömenden Regen, ihre Mannschaft anzufeuern. Das geschieht so in vielen Stadien über das Land verteilt an jedem Wochenende. Aber gibt es irgendwo in Deutschland einen Verein wie Union, der z.B. für den Neubau seines Stadions solch eine enorme Hilfestellung von den Fans bekommt?
Nein, denn was diese Menschen für Opfer bringen entbehrt jeder Vorstellungskraft. Um das ganze mal etwas besser zu verstehen, möchte ich ein wenig in die Geschichte von Union blicken. Viele der „eisernen“ Fans kommen bereits als dritte oder vierte Generation in die Alte Försterei. Unzählige Auf – und Abstiege, leere Vereinskassen und nicht nur eine Lizenzverweigerung haben viele Fans im Laufe der Jahre abgehärtet, sie quasi „eisern“ werden lassen. Diese sportlichen und wirtschaftlichen Auf & Ab´s haben der Köpenicker Fankultur aber nicht geschadet - im Gegenteil - es hat die Anhänger nur noch stärker zusammengeschweißt. Der fast schon legendäre Ruf der Unioner Fans entstammt aber nicht nur daher, sondern auch von deren Bereitschaft riesige, persönliche Opfer für den Verein zu bringen. Beispielsweise Unions Situation Ende der 1990er Jahre: Als der Verein finanziell vor dem Aus zu stehen schien, waren es die Fans, die durch verschiedene Aktionen potentielle Geldgeber auf diese Situation aufmerksam machten und auch selbst durch viele Spenden einen großen Anteil leisteten. So wurde u.a. eine Demonstration unter dem Motto „Rettet Union!“ durch das Brandenburger Tor organisiert, an der sich rund 3.000 Anhänger beteiligten. Das Engagement der Fans ging sogar soweit, dass der langjährige Fan Andreas Freese in den Aufsichtsrat des Vereins gewählt wurde – sowas gab es bis dahin nicht. Es waren Anhänger wie er, die in den folgenden Jahren ihren Teil dazu beitrugen, dass der Verein finanziell überleben konnte.
Ein anderes, gutes Beispiel ist der Sommer vor der Saison 2004/2005. Für die Spielgenehmigung in der Regionalliga benötigte Union damals eine Liquiditätsreserve von über einer Millionen Euro, welche der Verein alleine aber nicht aufbringen konnte. Daraufhin gründeten die Fans die Initiative „Bluten für Union“ mit dem Ziel, den Verein bei der Beschaffung des Geldes zu unterstützen. Das Wort "Bluten" war in diesem Zusammenhang wörtlich zu nehmen, denn die Fans wurden dazu aufgerufen, Blut zu spenden und das erhaltene Geld dem Verein zukommen zu lassen.
Neben dieser, fanden noch weitere Aktionen statt um Geld zu sammeln, darunter T-Shirt-Verkäufe, Rock-Konzerte oder auch ein Benefiz-Spiel gegen die „Blutsbrüder“ vom FC St. Pauli. Mit Erfolg: Zum Ablauf der vom DFB gestellten Frist erhielt der Verein die Spielgenehmigung.
Und damit wieder zurück zum Anfang, als ich den Umbau bzw. die Sanierung der Alten Försterei bereits erwähnte. Hier haben nicht sehr wenige Anhänger ihren !gesamten Jahresurlaub! geopfert, um mit viel Schweiß und Tatkraft am neuen Stadion mit zu bauen. Einige sollen sogar ihren Job gekündigt haben, damit sie fast rund um die Uhr mithelfen konnten. Allein durch deren Mithilfe hat der Verein bestimmt mehrere Millionen Euro „gespart“. Was ich ziemlich einzigartig finde.
Erwähnenswert ist außerdem das Fan-Verhalten nach Niederlagen. Es war auch für mich neu, nach Niederlagen keine Pfiffe, sondern Applaus zu ernten. Die Unioner Fans können sehr gut verzeihen - wenn man kämpft! Sie sind halt bodenständig und schätzen eine kämpferische Einstellung mehr, als ein gelungenes aber erfolgloses Dribbling am Strafraum.
Dieser Beitrag soll einen kleinen Eindruck davon vermitteln, zu was die Fans von Union Berlin in der Lage sind. Der Verein und seine Fans sind einfach Kult. In diesem Sinne: "Und niemals vergessen - Eisern Union."
Respekt für die Fans, und ich denke hier kann man auch mal die Hagener Fans lobend erwähnen die ähnlich wie die Eisernen dieses Jahr durch tatkräftige Hilfe beim Umbau der Halle den Aufstieg erst möglich gemacht haben :)
Thomas
24.02.10 - 14:45 Uhr
Danke Stuffi, Klasse Beitrag, ich bekam Gänsehaut beim Lesen und ich hoffe, dass wir dich noch oft in Aktion sehen können! und in zukunft auch vielleicht wieder häufiger das ein oder andere Kopfballtor ;)
Und niemals vergessen Eisern Union!
Jan d´Heureuse
24.02.10 - 11:54 Uhr
Interessant ist ja vielmehr, dass der slogan "Eisern Union" noch viel weiter zurück reicht, als hier im Artikel beschrieben und zwar in die Zeiten des geteilten Berlins. Zur Zeiten der DDR war es für viele ein Mittel zum Ausdruck der Ablehnung des Regimes. Selbiges hat ja seinen eigenen Club BFC Dynamo, welcher in der Regel schon als Gewinner meist vor den Spielen Feststand. Daran gab es nicht viel zu rütteln und wie in einigen Bereichen, waren Unmutäußerungen darüber eher unklug. Daher ging man halt einfach zu Union in die alte Försterei, um echten und wahren Fußball zu sehen. Mit dem Begriff "Eisern" brachte man damit halt seine freie Meinung und seine Unbeugsamkeit zum Ausdruck, ohne das das Regime uns eine "Häscher" etwas dagegen unternehmen konnten.
Zu einem gewissen Grad war das dann nach der Wiedervereinigung der selbe Zweck, nur wollte man hiermit seine Identität als "Ossi" unterstreichen und sich in einem gewissen Maße vom "Wessei" abgrenzen.
Glücklicherweise hat sich das über die Jahre hinweg stark geändert - wie im Artikel beschrieben - und das Positive der Einheit (der Menschen und nicht der Systeme) und der Gemeinschaft wurde in den Fokus gerückt, womit man den heutigen Status erreicht hat.
Es ist wirklich schön zu sehen, wenn Spieler sich auch mit dem kulturellen Umfeld des Vereins beschäftigen, für den sie arbeiten/spielen, und dieses auch in eigenen Worten öffentlich machen. Jenseits der üblichen Nachspielstatements.
Comments
(4)Und niemals vergessen Eisern Union!
Zu einem gewissen Grad war das dann nach der Wiedervereinigung der selbe Zweck, nur wollte man hiermit seine Identität als "Ossi" unterstreichen und sich in einem gewissen Maße vom "Wessei" abgrenzen.
Glücklicherweise hat sich das über die Jahre hinweg stark geändert - wie im Artikel beschrieben - und das Positive der Einheit (der Menschen und nicht der Systeme) und der Gemeinschaft wurde in den Fokus gerückt, womit man den heutigen Status erreicht hat.